Sterne

Tag der Sternenkinder – 15. Oktober


Der 15. Oktober steht für alle kleinen Seelen, die die Welt zu früh verlassen mussten, ob als Fehlgeburt, als stille Geburt oder der Tod eines Neugeborenen. Diese Kinder werden als Sternenkinder bezeichnet.


Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es Dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können.*


Schon alleine die Tatsache dass es sehr schwierig ist eine ungefähre Prozentzahl darüber zu finden, wie viele Frauen in ihrem Leben eine Fehlgeburt erfahren deutet auf dieses riesengroße Dilemma in unserer Gesellschaft hin. Der Tod wird totgeschwiegen. Die Vergänglichkeit des Lebens - unseres Lebens wird am besten verdrängt und wir wollen uns so wenig wie möglich damit auseinandersetzen.

Vergänglichkeit macht Angst. Wie fühlt es sich an, wenn ich dir sage, dass diese Vergänglichkeit in deinem Leben dein Antrieb sein kann. Deine Motivation dein Leben so bewusst, bedeutungsvoll, ehrenhaft und respektvoll gegenüber all jenen zu leben, die es vielleicht nicht mehr können.

Die Vergänglichkeit unseres Lebens kann etwas verdammt Gutes sein. Deshalb ist es für mich umso wichtiger an alle Seelen zu denken, deren Leben schon vergangen ist. Egal wie kurz oder lang es war.



Letzte Woche habe ich mich mit der lieben Jaqueline getroffen, die Frauen nach einer Fehlgeburt unterstützt wieder in ihr Vertrauen zu kommen. Sie ist selbst eine Sternenmama und arbeitet als Beraterin & Coach mit Frauen, die eine Fehlgeburt erfahren haben.

Wir hatten ein ganz feines Gespräch, in welchem sich für uns beide ziemlich schnell herauskristallisiert hat, dass es in unserer Gesellschaft oftmals sehr schwierig ist dem Thema Verlust Raum zu geben. Deshalb haben wir gemeinsam eine Liste erarbeitet, die die Angst vor dem Umgang mit verwaisten Eltern nehmen soll und Sicherheit geben soll, was gut ist, was es braucht und was jede*r von uns tun kann und darf.


Dem Verlust Raum geben


Fehlgeburten, Stille Geburten, Kinder die während oder nach der Geburt verstorben sind, sind so oft ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Es gibt wenig Raum für diesen unendlich großen Ausdruck der Vergänglichkeit des Lebens.

Angst und Stille dominieren. Die Angst davor etwas Falsches zu sagen. Die Angst vor der Reaktion der betroffenen Eltern. Die Angst vor diesem großen Thema Tod. Eine Schwangerschaft - ein Baby werden immer mit dem Leben assoziiert, mit neuem Leben – mit Neubeginn. Wie geht es uns, wenn dieses Leben ganz plötzlich vergänglich wird? Wenn dieses neue Leben auf einmal nicht mehr da zu sein scheint. Wie geht es uns im Umgang mit betroffenen Eltern?

Ohnmacht.


So oft stellen wir uns gegenüber Trauernden die Frage: Was darf ich sagen? Ist das richtig so? Was darf, was soll ich tun? Diese Liste soll Halt geben und ein Ratgeber, dafür sein, was ok ist und was den betroffenen Eltern helfen kann ihre Verlusterfahrung irgendwann in ihr Leben zu integrieren.


Was darf ich / was kann ich sagen?


Es tut mir leid

Ich fühle mit dir / mit euch

Ich weiß grad nicht was ich sagen soll

Kann ich etwas für dich/für euch tun?

Magst du mir von deiner/eurer Erfahrung erzählen?

Möchtest du (überhaupt) darüber reden?

Wie kann ich dich / euch unterstützen?

Gibt es etwas, was du / was ihr brauch(s)t?

Ich bin für dich / euch da.


Du darfst dein Mitgefühl zum Ausdruck bringen, egal wie. Zeig dem Paar, dass es dir leid tut und dass du für sie da bist.


Was darf ich nicht sagen?


Es war ja noch so klein

Ihr seid ja noch so jung

Das waren doch nur ein paar Zellen

Genießt doch erstmal die Zeit zu zweit

Vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt

Schaut nach vorne, das Leben geht weiter

Das wird schon wieder


Alle negativ behafteten Formulierungen und Meinungen sind fehl am Platz. Außerdem gibt es in einer solchen Erfahrung keinen Raum für gut gemeinte Ratschläge oder Geschichten von der Erfahrung anderer.


Was darf ich / kann ich tun?


Zuhören ist unser größtes Geschenk an Trauernde,* Hannah Lothrop in Gute Hoffnung jähes Ende


Zuhören

Da sein

Das Paar umsorgen – z.B. Essen vorbeibringen

Sich anbieten für Unternehmungen – z.B. einen Spaziergang

Sich liebevoll kümmern

Zeit geben

Eine Sms schreiben wie z.B. „Ich bin da“ – „Ich denk grad an euch/dich“

Respektieren, wenn das Paar eine Pause braucht

Körperliche Nähe geben – Umarmungen, Halt geben

Eine Kerze anzünden

Wenn das Kind einen Namen hat – das Kind immer beim Namen nennen

Auch noch später nachfragen, wie es dem Paar geht – das Thema ansprechen


Ich glaube die Geburt eines Sternenkindes macht das Leben intensiver. Sie lässt Gefühle aufkommen, die man bisher nicht erlebt hat. Sie lässt Fragen aufkommen, die man sich bisher nicht gestellt hat. Sie lässt Entscheidungen aufkommen, die man bisher nicht gefällt hat. Alles in einer so kurzen Zeit.

Sternenkinder verändern.

Sie bleiben für immer da – so wie die Sterne immer da sind.

hebammepia



* Der kleine Prinz’ von Antoine de Saint-Exupery.

* Hannah Lothrop in Gute Hoffnung jähes Ende