Warum ich Hebamme werden wollte


Noch als ich ein Kind war, hat mir meine Großmutter von ihrer Arbeit erzählt. Wie sie vom Pfarrer der Gemeinde für den wertvollen Beruf Hebamme auserwählt worden war und nach Padova in die Hebammenschule geschickt wurde. Wie sie sich mit dem Pferd oder zu Fuß, durch kniehohen Schnee, bei Sturm, in der Nacht oder in sengender Hitze zu den Bergbauernhöfen des Reintales* gekämpft hatte. Vollbepackt mit ihrem Koffer, den Medikamenten und alles was sie so zum arbeiten brauchte. Sie erzählte mir wie es damals war, meistens ohne Strom oder Telefon und fließendes, warmes Wasser gab es nicht.

Sie erzählte von Frauen, deren Kinder schon auf der Welt waren, als sie angekommen war. Von Frauen die noch 7 weitere Kinder zu versorgen hatten. Von betrunkenen Männern, die sie aus dem Zimmer sperren musste, in dem ihre Frau ihr Kind gebar. Von Spritzen, die sie im Dorf machte und Ratschlägen, die sie den jungen Müttern gab. Eine "Hebamm" war unentbehrlich für ein Dorf.

Viele Geschichten durfte ich ihr lauschen und immer hatte sie dieses Strahlen in den Augen. "Diese Magie wenn ein Kind zur Welt kommt"

Als ich ihr, kurz bevor sie starb, erzählte, dass ich Hebamme werden wollte, antwortete sie prompt: "Naaa, tuasch dir sel schun un?" (Willst du dir das wirklich antun?) Ich glaubte einen Funken stolz in ihren Augen aufblitzen zu sehen. Da wusste ich, das ist genau das, was ich machen will, meine ganz besondere Herausforderung, meine Berufung.


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