B E R G T O U R

„Die Geburt ist wie eine Tour auf den Großglockner“, schreibt Erika Pichler in ihrem tollen Text und für mich hat sie recht. Ich liebe sie einfach, Geburten und meine Berge und je mehr Erfahrung ich sammle und je mehr ich sie besteige, desto mehr finde ich darin den Vergleich...

Ich gehe los, am besten durch den Wald, ein leichter Anstieg, Einwärmen - die Wehen beginnen, sind vielleicht unregelmäßig, werden mehr - dann geht es langsam bergauf, stetig in Serpentinen nach oben - die Wehen werden regelmäßiger, mehr, sie kommen in Abständen, ich nutze die Pausen - die Sonne strahlt, es ist warm, ich komme auf dem Weg nach oben ganz schön ins Schnaufen, aber ich gebe nicht auf - die Wehen werden mehr und mehr, es ist anstrengend, ich versuche mich mit meiner Atmung zu entspannen - weiter und weiter gehe ich nach oben, Serpentine für Serpentine, so viele habe ich schon geschafft, ich komme immer höher - die Wehen werden mehr, in regelmäßigen Abständen, in den Pausen habe ich genügend Zeit um mich auszuruhen, ich spüre die Entspannung in meinem Körper, weiter und weiter - so langsam erkenne ich das Gipfelkreuz, es kommt mir noch so weit vor, ich kann nicht mehr, aber ich gebe nicht auf ! - nun ist es richtig anstrengend, ich glaube ich kann nicht mehr, aber ich kann ! „bald ist es geschafft, du machst das soo gut “ sagt die Hebamme - ich komme dem Gipfelkreuz näher und näher, steiler und steiler, kurze Pause - die Wehen werden intensiver, so langsam spüre ich den Drang meinem Baby zu helfen, der Drang wird größer und größer, ich möchte mitschieben - ich sammle meine Kräfte und laufe den letzten Anstieg zum Gipfel nach oben - ich helfe meinem Baby, es ist anstrengend, aber ich spüre, dass ich es kann, ein heftiger Hormonschub hilft mir dabei - ich bin angekommen „Berg Heil“, es ist wunderschön - und dann ist er da, dieser Moment; mein/unser Kind wird geboren „Hallo Welt“ - ich genieße die Aussicht und ruhe mich aus, ich Packe mein Picknick aus und bin einfach nur glücklich hier zu sein und diese Aussicht genießen zu dürfen - Liebe, Liebe, Liebe. Hallo kleines Wunder. Ich genieße diesen Moment, mein kleines Wunder auf mir - Haut auf Haut, ganz nah. Nun bist du da. Was für ein Gefühl.